Hallo, mein Name ist Sabine Vesper, ich schreibe Kriminalromane.
Bisher sind im emons Verlag: Endstation Ochsenzoll / Treffpunkt Teufelsbrück /Tage der Gewalt und Mitschnacker erschienen.
Meine Krimis spielen allesamt in Hamburg, sind aber keine ausgesprochenen Regionalkrimis, da ihre Intention nicht vordergründig darin besteht, dem Leser eine Verwobenheit von Kriminalhandlung und städtischer Beschreibungen zu bieten. Meine Ausrichtung liegt eher in der Erforschung der menschlichen Neigung zu Gewalt und Verbrechen, in der Aufdeckung der sogenannten „Banalität des Bösen“.
Um das zu verdeutlichen, möchte ich hier über die inneren Themen der Romane sprechen, die als Unterströmung vorhanden sind.

In Ochsenzoll ist das Verloren-sein in den eigenen Gedanken das innere Thema. Alle Personen des Romans kommunizieren überwiegend nach innen, d.h., sie sprechen eigentlich nur mit sich selbst.
Sie erleben etwas, bewerten es, fühlen und reagieren. Je nach Situation wutentbrannt, freudig oder depressiv. Keine Figur weiß, was die anderen bewegt. Die Romanpersonen knallen aufeinander und lösen unentwegt Konflikte aus.
Auch die Protagonisten, Kriminalhauptkommissar Josef Lenz und seine Kollegin Annegret Pries sind in dieses Spiel involviert. Nur der Dreiviertelindianer Joe Wolnyczak ist Ausnahme. Alle anderen halten ihre persönlichen Wahrnehmungen und Gedanken unhinterfragt für allgemeingültige Beschreibungen von Tatsachen, die sie zu Reaktionen berechtigen.
In Endstation Ochsenzoll erreicht der Gedankenstrom eines Mannes eine derart enorme Triebkraft, dass er zum Mörder wird.

In Treffpunkt Teufelsbrück kämpft Kriminalhauptkommissarin Annegret Pries gegen das an, was nicht sein darf, was nicht sein soll. Ihr wird bewusst, dass sie dem Leben ihren Willen aufzwingen will.
Sie hadert mit ihrer Beziehung zu Josef Lenz, die nicht so funktioniert, wie sie es sich ausmalt. Sie sieht und erlebt sich in vielen Situationen als Opfer, weil kaum eine äußere Situation mit ihrer inneren Vorstellung übereinstimmt. Erst als sie kapituliert, sich nicht mehr als die Finden will, die sie gerne wäre, erlebt sie endlich Frieden.
Treffpunkt Teufelsbrück erzählt außerdem von der Vermüllung der Welt, als eine Auswirkung des Bedürfnisses nach immer neuen Anreizen und mehr Dingen, die in den eigenen Augen und in den der anderen, den persönlichen Wert erhöhen sollen.

In Tage der Gewalt werden Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle der handelnden Personen von Begierden, Größenwahn oder Ängsten getrieben.
Die Romanfiguren erfahren Leiden bis in den Tod, weil sie unbedingt als Helden in ihrem eigenen „Film“ triumphieren wollen.
Die Angst der Romanfiguren, sich als allein und getrennt zu erleben, verursacht die Verstümmelung aller ihrer Beziehung zu einem Zweck. Personen werden meistens als Abbild eigener Wünsche betrachtet. Diese allgegenwärtige, subtile Gewalt löst heftige Reaktionen mit tödlichen Auswirkungen aus.

Im Mitschnacker ist die Angst vor dem Verlassen-werden inneres Thema. Der Verlust von geliebten Menschen und das Hineingeraten in Opfer oder Täterrollen. Die Verlassenen klammern sich an Interpretationen, die ihre Erfahrung der Beraubung erklären, um Ohnmacht, Wut und Trauer zu leugnen.
Unglück nimmt seinen Lauf, weil mit der Deutung ihrer persönlichen Katastrophen eine Verursachung festgeschrieben wird, ein Verantwortlicher gefunden werden muss, der das Leid vermeintlich verschuldet hat.
Unglück nimmt seinen Lauf, weil die innere Leere, die ein Verlust hinterlässt, nicht ertragen wird.